Hitler´s Rache, Bakelitchen, Rennpappe, wütender Staubsauger, Blauer-Auspuff, verrücktes Plektron, Mumie mit Herzschriftmacher. Trabi, das ungewünschte Volksauto als Symbol der sozialen Gleichheit, fährt traditionell zum Trabi Treff nach Tschechien.

Er ist laut. Er ist langsam. Er ist unzuverlässig. Er ist leicht. Er ist lächerlich. Ein kurioses Auto auf 4 Rädern fährt durch das Regime, durch Schlamm, Sand, Pässe und Flüsse.

Trabant unterwegs, Quelle: Eberhard Görner Film

„Der Trabant ist eines der besten Mittel gegen schlechte Laune,“ sagte Tscheche Přibáň, der seine mehrfache Weltexpeditionen mit einem knallgelben Trabant gebauten „601er“ sowie mit einem Fiat 126p unternahm.

Trabis auf der Straβe, Quelle: Eberhard Görner Film

„Im Jahre 2o12 hatte der Schauspieler Gojko Mitic mit mir in Zwickau eine Lesung aus meinem Roman „In Gottes eigenem Land“ – unter den Zuhörern  war auch Dr. Werner Lang mit seiner Frau Renate. Er lud Gojko Mitic und  mich ins Auto-Horch-Museum ein, das Dr. Werner Lang nach 199o mit aufgebaut hat und von dem die NEW YOURK TIMES schrieb, es wäre das schönste Auto-Museum der Welt. Dr. Werner Lang führte uns persönlich  durch die Ausstellung und erzählte dabei auch die Geschichte über die Erfindung des TRABANT – da sprang ein Funke über, denn mir wurde bewußt, dass Dr. Werner Lang als ein ganz wichtiger Zeitzeuge über  deutsch-deutsche Auto-Geschichte dokumentiert werden muss.

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Trabant im Museum, Quelle: Šárka Vacková

Er war damals sehr krank, hatte drei Mal in der Woche Dialyse. Ich war wohl damals sehr radikal, als ich nach der Führung im Auto-Horch Museum zu ihm sagte: “Du kannst morgen sterben, Werner, aber heute musst du die Geschichte vom Trabant vor der Kamera noch einmal erzählen!” Er war einverstanden. Daraufhin habe ich meinen Kameramann Markus Stoffel, er lebt in Nürnberg, angerufen und ihn gefragt, ob er mit mir das Interview dreht, obwohl ich ihm keinen Cent dafür geben kann. Markus Stoffel hat ohne zu zögern sofort zugesagt, und wir haben im Original-Büro von August Horch in Zwickau mit Dr. Werner Lang zwei Wochen gedreht. Das Interview wurde zur Grundlage unseres Films. Ein Jahr später ist Dr. Werner Lang verstorben,“ so Görner, Regisseuer des Dokumentarfilmes „Wolle auf Asphalt-das Experiment Trabant“.

Werner Lang, Quelle: Eberhard Görner Film
Dokument, Quelle: unbekannt

Görner: „Einen besonderen Höhepunkt während der Dreharbeiten gab es auf Sardinien. Dort haben wir mit Prof. Carl H. Hahn gedreht, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von VW und nach 199o Erbauer des VW-Werkes Mosel bei Zwickau, das heute Vorreiter für Elektromobile im VW-Konzern ist. Jedenfalls war das schon ein sensationelles Bild, den VW-Manager in seinem weißen Trabant-Cabrio mit roten Ledersesseln auf dieser 
wundervollen  Insel zu drehen.“

Carl H. Hahn, Quelle: Eberhard Görner Film

„Wenn ich das Wort TRABANT  höre, dann fällt mir ein, auch immer das Geräusch seines Zweitakt-Motors, und das Benzin-Gemisch steigt einem in die Nase, aber auch, dass der TRABANT ein unverwüstliches Auto war. Man konnte es selbst reparieren, doch bei strenger Kälte im Winter schrumpfte der Ausblick durch die Frontscheibe manchmal ganz erheblich. Ich denke, es ist inzwischen deshalb ein Kult-Auto geworden, weil es einen sozialen Status der Gleichberechtigung repräsentiert. Aber auch, weil es ein Umweltfreundliches Auto ist. Die Zwickauer Autobauer haben aus der Not, es gab in der DDR keine Bleche, eine Tugend gemacht und mit der Plastik-Karosserie einen Schritt in die Zukunft getan. Ich fahre einen Citroen C4 – er hat eine Karosserie aus Plastik!,“ erzählt Görner.

Filmteam (Eberhard Görner – dritter von links), Quelle: Eberhard Görner Film

Ende Zweiter Weltkrieg. Stahl und Blech waren Mangelwaren. Die Regierung stellte keine Mittel dafür zur Verfügung, andere Wirtschaftszweige waren wichtiger. Man braucht einen billigen Stoff: Baumwolle, den sog. Duroplast. Der Duroplast, heutzutage nur für  die Toilettensitze genutzt, war leicht, korosionsfrei und durch die Sächsische Textilindustrie genügend da. Es geht los!

Trabant und Baumwolle, Quelle: Eberhard Görner Film

10 Duroplast-Teile. Presszeit 8 Min. Temperatur 170 C. Druck 4-6 MPa. Jeder Bauteil ist ein Unikat. Passt es nicht richtig? Ein Schlag mit dem Hammer und so entstand das Symbol der soziale Gleichheit – Trabi.

Trabi-Fahrt, Quelle: Eberhard Görner Film

BOOMT! Im Jahr 1964 erschien der Werbefilm mit einem Slogan: „Mittelpunkt internationaler Messen. Favorit der 600m² Klasse – der Trabant 601. Von Antrieb mit zum luftgekühlten Zweitakt-Motor, Viergänge, vollsynchronisiert. 6,8 l Nanoverbrauch. Platz für 4 Erwachsene Personen, geräumiger Kofferraum. Das alles für Sie in Trabant 601 aus den Sachsenring Automobilwerken Zwickau.“

Trabant für die Familie, Quelle: Šárka Vacková

„Werner wurde als Chefkonstrukteur und Direktor für Wissenschaft und Technik im VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau eingestellt. Meinem Mann waren ca. 3000 Mitarbeiter unterstellt.  Im Werk haben zuletzt über 12.000 Personen gearbeitet. Er hat gemeinsam mit seinem Team viele mechanische Arbeitsgänge automatisiert und damit viele Arbeitskräfte eingespart, dafür hat er 2 Nationalpreise erhalten,“ erzählt seine Frau, die auch im Werk arbeitete.

Werner Lang erzählt, Quelle: Eberhard Görner Film

 „Er machte immer weiter und entwickelte 16 tolle Autos, die nicht auf dem Markt kamen. Mein Mann wurde für 2 Jahre nach Ludwigsfelde geschickt.

Die Parteiverantwortlichen  wollten ihn in Zwickau „los werden“, weil er unbequem  war, er hat immer wieder für seine Entwicklungen gekämpft, so Frau Lang.

Beitrag aus der Zeitung, Quelle: unbekannt
Lang mit seiner Frau, Quelle: Olaf Seifert

„Trabant – das war das Kind einer externen Not. Man hatte nicht mehr den Auschluss an die Welt und man musste mit dem was man hatte etwas zaubern,“ sagte Prof. Dr. Carl H. Hahn, der VW-Vorstandsvorsitzender 1982-1992.  

Trabant und Not, Quelle: Šárka Vacková

„Früh immer Röllchen mit Milch und abends Bier mit Topinka,“ erinnert Karl Clauss Dietel an die Fahrten in die Tschechoslowakei. 

Er setzt sich auf den Stuhl in seiner Atelier. Daneben auf dem Tisch liegen viele Steine rum.  Kleine. Groβe. Flache. Grobe. Dunkle. Helle.

Dietel im Atelier

„Die Steinen? Sie haben keine Bedeutung, vielleicht nur, dass mein Weg nicht einfach war,“ sagt Karl Clauss Dietel.

Steine , Quelle: Šárka Vacková
Brille und Steine auf dem Arbeitstisch, Quelle: Šárka Vacková

Karl Clauss Dietel gestaltete als freischaffender Gestalter und ab ca. 1965 mit Partner Lutz Rudolph insgesamt sieben Nachfolgeentwicklungen zum Trabant P 601. „Dies umfasste Entwürfe für die Karosserie und für die Innengestaltung. sämtliche sieben Projekte wurden auf staatliche Weisung hin abgebrochen und seriell nicht realisiert,“ so Karl Clauss Dietel, der deutsche Designerpreisträger 2014.

beim Interwiew, Quelle: Šárka Vacková

„VEB Sachsenring Zwickau hat für den “Trabant 603” bei Škoda 20 000 Viertaktmotoren bestellt. Die Regierung der DDR hat den Auftrag abgelehnt. „Durch Demontage nach dem Krieg hatte der ostdeutsche Fahrzeug-bau (ehemals AUTO UNION CHEMNITZ, bis 1945 größter deutscher Fahrzeugkonzern) bei Viertaktmotoren den Anschluß verloren. Kooperation mit ŠKODA lag deshalb nahe „so Karl Clauss Dietel, der auch Simson S50, Erika-Schreibmaschinene, Grundentwurf von Wartburg 353 konzipierte. Erfolgreich!

Dietel, Trabant und, Schreibmaschine, Quelle: Šárka Vacková

„Die Tschechen sind fortbildig. Slowaker sind ein bisschen hektischer. Tschechen und ihre Wagen waren mir immer sehr sympatisch. Ich fand die Fahrzeuge in DDR sehr kritisch. Positiv bin ich bei TATRA 603, BUS Karosa und JAWA,“ so Karl Claus Dietel.

Jürgen Lisse – ein typischer Trabi-Fan und Autor des Buches „Fahrzeuglexikon Trabant“.  Er besitzt eine kleine Autowerkstatt. Wenn seine Werkstatt in Tschechien wäre, hätten auf den Autoteilen bestimmt ein paar Hennen gesessen und die Eier gelegt. Hier gibt es keine Hennen. Hier gibt es Trabi-Teile: rechts, links, hinten, vorn, ein Trabant hängt auf dem Wagenheber, zwei andere stehen um der Ecke. Chaos ohne Ordnung! „Der Mann unterscheidet sich vom Kind nur in der Gröβe des Spielzeuges,“ sagt er.

in der Lisse´s Werkstatt, Quelle: Šárka Vacková

„Einige Teile gibt es nicht mehr. Aber Trabant bleibt immer interessant. Er war im Jahr 2002 auf der deutschen Briefmarke. In Trabant passen 17 Personen oder 7 Bierkisten,“ erzählt Lisse.

Trabi-Fan Lisse, Quelle: Šárka Vacková

Planen Sie noch ein Buch über Trabant?

Buch über Trabant, Quelle: Šárka Vacková

„Nein, ich schreibe jetzt ein Buch über ŠKODA,“ erzählt begeistert Lisse.  

Lisse beim Nachdenken, Quelle: Šárka Vacková

Trabant ist nicht tot! „Sie brauchen mindestens 4 Stunden für die Besichtigung. Wir haben 130 Exponate. Ein Teil davon gehört der Trabi-Geschichte, die sehr beliebt bei unseren Besuchern ist. Jeden Monat besuchen unser Museum 20 verschiedene Nationen. Es kommen auch viele Tschechen vorbei. Das freut uns,“ erzählt der Direktor des HORCH Museum in Zwickau.

Horch-Museum und Direktor Stebich, Quelle: Šárka Vacková

Trabant ist in Tschechien genauso bekannt wie in Sachsen, denn sonst gäbe es 2o19 nicht das Internationale Trabant-Treffen in Most.

Trabant und Nachbarschaft, Quelle: Eberhard Görner Film

Ein Kult! Zwei Länder! Viele Leute! Viele Arbeit! Viele Zeit! Der Trabi und die sächsisch-tschechische Freundschaft! Das macht Spaβ!

Trabant auf den Beinen, Quelle: Šárka Vacková

Das erfolgreichste Automodell der DDR – der Oldtimer P601. Der einmillionste Trabant lief übrigens am 22.November 1973 vom Band, der zweimillionste am 1.Oktober 1982 und der dreimillionste am 21.Mai 1990. Er wurde nach Holland, Finnland, Griechenland und Island exportiert. Nach Holland ging jeden Monat 4 000 Stück. Nach dem Ende der Trabantproduktion am 30.April 1991 hatten die Beschäftigten des VEB Sachsenring Automobilwerke (beziehungsweise des Werkes Audi) 3 096 099 Trabant-Fahrzeuge produziert. Und heute?

mit dem trabi unterwegs

Autor: Šárka Vacková

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